Adel

Der Adel (lat.: nobilitas, althochdeutsch: Abstammung, Geschlecht) ist eine in den meisten Ländern Europas untergegangene privilegierte Gesellschaftsschicht. In feudalen Ständeordnungen war sie die herrschende soziale Schicht (Stand), gegründet auf Geburt, Besitz, Zuerkennung und gelegentlich auf Leistung. Sie hatte besondere Lebensformen und ein hoch entwickeltes Standesethos.
Ob das Wort Adel mit dem Wort Odal verwandt ist, ist Gegenstand einer langen wissenschaftlichen Kontroverse. Neckel wollte eine völlige Identität dieser Begriffe darlegen. Kauffmann, schloss aus der Wortähnlichkeit, dass Odal Stammgut eines adligen Geschlechtes sei.Dem wird entgegengehalten, dass zu Beginn der Ãœberlieferung den Verfassern die Wortverwandtschaft längst nicht mehr gegenwärtig war. Außerdem könne aus solchen Ableitungen nicht hergeleitet werden, dass es überhaupt einen ur- oder gemeingermanischen Adel gegeben hat. Behaghel bestritt sogar jeglichen Zusammenhang zwischen den Wörtern “Odal” und “Adel”. Werner Conze hielt aber an einer Verwandtschaft der Begriffe fest, desgleichen die derzeit führenden etymologischen Wörterbücher des Deutschen, nämlich Kluge/Seebold und Pfeifer. Im übrigen → Odal.

Die Verbindung zwischen “Odal” und “Adel”, “edel” wurde dahingehend interpretiert, dass bei der Entstehung des Adels der Grundbesitz eine entscheidende Rolle gespielt habe. Dies entsprach dem Stand der historischen Forschung im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Doch diese Verbindung zwischen Adel und Grundbesitz lässt sich heute nicht mehr aufrecht erhalten. Der Adel gründete sich nicht auf wirtschaftliche Elemente, sondern auf Teilhabe an der Macht im Sinne von Herrschaft über Menschen.
Ãœber die Entstehung des Adels ist wenig bekannt. Es gibt zwar in vielen Gesellschaften die Ãœberlieferung, es habe einmal eine Zeit gegeben, in der alle Menschen gleich waren, und dass vererbte Herrschaft erst entstand, “als die Gleichheit verloren ging” (Tacitus, Annales 3.26). Historisch gesehen ist jedoch festzustellen, dass †“ zumindest in Europa †“ in den schriftlichen Quellen keine Gesellschaften ohne Adel, das heißt ohne vererbbare Herrschaft, nachweisbar sind. Auch dort, wo schriftliche Quellen nicht mehr vorliegen, zeigt der archäologische Befund, dass überaus reiche Grabausstattungen neben einfachsten stehen. Archäologen sprechen im Zusammenhang mit reichster Grabausstattung von “Fürstengräbern”, ohne †“ mangels schriftlicher Quellen †“ etwas über die Herrschaftsstruktur aussagen zu können.

Alle vorindustriellen Hochkulturen bildeten eine Adelsschicht aus. Der Adel hob sich in der Regel zunächst durch einen höheren Einfluss auf das öffentliche Geschehen, in der Folge auch durch ein höheres wirtschaftliches Potential von der gesellschaftlichen Umgebung ab. Daraus ergab sich der Anspruch dieser Schicht, ihre (von ihnen ökonomisch abhängigen) Nachbarn auch militärisch und politisch zu führen. Im weiteren Verlauf konnte diese gehobene Stellung †“ unabhängig von der ursprünglichen ökonomischen Grundlage †“ erblich werden.

Diese vererbbare Herrschaft (also Adel) entstand:

* durch militärische Ãœberlegenheit oder Leistung (Schwertadel, Rittertum, Samurai)
* durch wirtschaftliche Ãœberlegenheit, beispielsweise Großgrundbesitz (so vermutlich das römische Patriziat)
* verliehen durch einen Höherrangigen, etwa König oder Kaiser (Dienst- oder Amtsadel)
* auf Grund einer besonderen Beziehung zu den Göttern (Priesteradel); letzterer ist in Europa nicht sicher nachweisbar.

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